Von Chickenbussen, Kaffee und nicht immer freundlichen Menschen

Rio Dulce

Das erste Land auf unserer Reise, zu dem mein Fazit durchaus gemischt ausfällt. Wir sind jetzt ja ohne eigenes Auto unterwegs (dazu ein anderes Mal mehr), was vor allem bedeutet, dass wir nicht mehr alleine und unabhängig dahin fahren können, wo wir hinwollen. Wo wir auch schon beim großen Problem wären, was ich mit Guatemala hatte. In Flores im Norden von Guatemala, einer Region, wo es außer den weltberühmten Ruinen von Tikal nichts gibt, mit dem man groß Geld verdienen kann. Außer halt Touristen, die kommen dafür aber zuverlässig und haben mehr Geld, als die allermeisten Einheimischen. Und das merkt man leider auch. Die Hostelpreise sind total überzogen und man muss sich wirklich anstrengen, an gesicherte Informationen zu kommen. Es war mir zum Beispiel trotz guter Spanischkenntnisse nicht möglich, herauszufinden, welches der preiswerteste Bus von Flores zur Weiterreise nach Rio Dulce ist. Am Ende mussten wir dann irgendeinen nehmen, von dem ich glaube, dass wir damit noch gut weggekommen sind. Wenn man im Internet recherchiert, finden sich jedenfalls die haarsträubensten Geschichten und Berichte. Ich war daher sehr froh, dass wir schon vorher beschlossen hatten, uns Tikal zu klemmen, weil wir beide keine Lust mehr auf überteuerte alte Steine hatten. Somit waren wir nur zwei Nächte in Flores (die Stadt selbst ist ganz ok, aber keineswegs so schön, dass sie alleine einen Besuch rechtfertigt). Tikal hingegen muss wirklich beeindruckend sein, ich bereue aber trotzdem nichts.

Unser nächster Stop war dann Rio Dulce, pittoresk an einem Arm der Karibik gelegen. Bis zum offenen Meer sind es ein paar Kilometer, deswegen ist es hier relativ sturmgeschützt. Die Lage des Örtchens zieht Segler_innen aus aller Welt an und man sieht sehr viele Boote mit us-amerikanischen oder kanadischen Flaggen. Ansonsten ist das Örtchen selbst nicht viel mehr als eine belebte Straßenkreuzung. Tragischerweise konnten wir hier nur eine Nacht verbringen. Unsere Unterkunft war wunderschön am See gelegen und nur mit einer Lancha (Böötchen) zu erreichen. Hier hätte ich gerne noch einen Tag mehr verbracht.

Rio Dulce

Irgendwie scheint es ein Naturgesetz zu sein, dass jeder Staat in Mittelamerika eine besonders gut erhaltene ehemalige spanische Kolonialstadt auf seinem Gebiet hat, die scharenweise Touristen aus aller Welt anzieht. In Guatemala heißt diese Stadt Antigua und auch wir haben dort natürlich vorbeigeschaut. Antigua ist tatsächlich ein hübsches Städtchen, viele der alten Gebäude sind von den vielen Erdbeben irgendwann teilweise zerstört worden, aber das macht sie ehrlich gesagt nur noch hübscher. Zudem punktet Antigua mit einer hübschen Lage am Fuße eines Vulkans, den man von fast jedem Ort in der Stadt sehen kann. Ansonsten gibt es hier vorallem eine hervorragende Gringo-Infrastruktur: Viele Unterkünfte für jedes Budget, Kneipen, Restaurants, gute Cafés und viele Tourenanbieter, die einen mit ihren Bussen hin- und herfahren. Fortbewegung in Guatemala ist nämlich so eine Sache. Es gibt wie in jedem Land hier so genannte „Chickenbusse“, meistens ausrangierte Schulbusse aus den USA. Diese haben in der Regel einen Fahrer und einen Assistenten, der den Fahrpreis kassiert, das Gepäck auf dem Busdach befestigt und vor allem an jeder Kreuzung laut darüber informiert, wohin dieser Bus fährt. Das Busfahrer-Assistenten-Tandem fährt auf eigene Rechnung, entsprechend gibt es auch keine Fahrpläne, sondern der Bus fährt, wenn er voll ist. Und „voll“ bedeutet nicht nur, dass jeder Sitzplatz besetzt ist, sondern auch, dass der Gang gerammelt voll ist. Zuweilen stehen Menschen in der Tür und manchmal sitzt auch jemand auf dem Dach. Über diese Art der Fortbewegung gibt es wie immer zwei Meinungen: Die einen halten das Reisen im Chickenbus für das einzig Wahre, die andern befinden es für viel zu gefährlich. Meine persönliche Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen: Sicher wird hier eher etwas geklaut und die Fahrzeuge sind nicht immer im besten Zustand, aber andererseits ist das Reisen so sehr billig und besonders bequem sind Shuttles auch nicht. Wir sind in Guatemala trotzdem oft Shuttle gefahren, was vor allem daran lag, dass die einen ohne Umsteigen von A nach B bringen und das Reisen so schneller geht. Gerade umsteigen ist mit unseren riesigen Rucksackimmobilien eine logistische Meisterleistung. Aber ich schweife ab.

Lago Atitlan

Von Antigua aus ging es für uns an den Lago Atitlan, eingeschlossen von Vulkanen und anderen hohen Bergen im Hochland von Guatemala gelegen. Hier wächst der beste Kaffee, den ich in meinem Leben bisher getrunken habe. San Pedro, das Dörfchen, was für 3 Nächte unser Zuhause war, ist ein wahrgewordener Hippietraum. Entsprechend viele haben sich hier niedergelassen. Und so kann man als Tourist zwischen vielen verschiedenen Restaurants wählen. Es gibt hier zum Beispiel ein paar israelische Läden und am Sonntag kann man am Schwimmbad des Ortes ein echt amerikanisches BBQ genießen. Unterkünfte und Essen sind nicht gerade teuer, weswegen es auch viele junge Backpacker hierhin zieht. Wir haben in San Pedro mal wieder versucht, einen Vulkan zu besteigen. Schon in Antigua waren wir auf einem, dort hatten wir aber großes Pech mit dem Wetter und man hat nichts von der versprochenen Aussicht gesehen. In San Pedro hatten wir Glück und wurden nach einem sehr anstrengenden Aufstieg mit einem großartigen Ausblick belohnt. Leider hat die heldenhafte Schreiberin dieser Zeilen die Kamera in der Unterkunft vergessen, deswegen gibt es nur die nicht ganz so beeindruckenden Handyfotos zu sehen.

Kaffeepflanze

Ich hätte ohne Probleme noch weitere Wochen in Guatemala verbringen können. So waren wir zum Beispiel gar nicht im „richtigen“ Hochland und auch die karibischen Städte an der Atlantikküste müssen wir uns ein anderes Mal ansehen. Und ich verstehe, warum Guatemala so beliebt ist. Das Land ist relativ kompakt und dennoch sehr abwechslungsreich, es verfügt über eine reiche präkolumbische Geschichte und Lebensmittel und Unterkünfte sind verhältnismäßig billig. Wir hatten in Guatemala überhaupt keine Probleme, wurden nicht ausgeraubt und außer in Flores sind wir auch nur freundlichen, hilfsbereiten Menschen begegnet. Gerade in sehr touristischen Ecken muss man aber wie ein Schießhund aufpassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird – und damit meine ich nicht, dass man ein bisschen mehr für seine Flasche Wasser bezahlt. So etwas ist ja fast normal und auch hinnehmbar. Aber bevor man ein Busticket kauft oder irgendetwas anderes teures bucht, muss man zwingend mehrere Meinungen einholen und sich am Besten auch noch im Internet informieren. Daraus resultiert bei mir ein gewisses Grundmisstrauen, was ich anstrengend finde.

Belize

Niemand hat die Kokosnuss geklaut.

Rein technisch gesehen liegt Belize auf der schmalen Landbrücke zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des amerikanischen Kontinents, die in Deutschland Mittel- und hierzulande Centroamerica genannt wird. Eigentlich müsste Belize jedoch ein paar Hundert Kilometer weiter draußen auf See, als kleines Eiland inmitten des karibischen Meeres liegen. Zu groß, zu hervorstechend ist einfach das karibische Flair im ehemaligen Britisch-Honduras, das irgendwann im 17. oder 18. Jahrhundert von den Freibeutern der britischen Krone von den Spaniern erobert wurde und erst 1981 seine offizielle Unabhängigkeit und Staatsgründung feiern durfte. Jaja, so lange ist der Kolonialismus noch gar nicht her.

Niemand hat die Kokosnuss geklaut.

Niemand hat die Kokosnuss geklaut.

Die Auswirkungen des Kolonialismus hingegen sind bis heute zu spüren. Nicht nur das Belize weiterhin Teil des Commonwealths ist und die Queen die Scheine des Belize-Dollars ziert, der mit einem Wechselkurs von 2:1 fest an den US-Dollar gekoppelt ist, was den Aufenthalt im Land doch recht teuer macht. Auch die großen Zuckerrohrplantagen und der große schwarze Bevölkerungsanteil, die Nachfahren der Sklaven, die von den Briten zur Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern hierher gebracht wurden, erinnert einen eher an Haiti oder Jamaica als an das direkt nebenan gelegene Guatemala. Überall laufen Rastas durch die Straßen und obwohl Englisch die offizielle Landessprache ist, hört man an allen Ecken Kreolisch, dieses breitgekaute Irgendwas eines dem Englischen entlehnten Lingos. De facto ist Belize dreisprachig – neben Hochenglisch und Kreol hört man auch oft spanisch, ein Umstand der den vielen mexikanischen und guatemaltekischen Einwanderern geschuldet ist. Auch der spanische Kolonialismus ist in Belize eben nach wie vor zu spüren, zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts, als während des Unabhängigkeitskrieges der Maya viele Flüchtlinge aus Mexiko, dass sich nunmehr endgültig die Kontrolle über die Yucatanhalbinsel aneignete, nach Belize kamen. Aber ich schweife ab. Am präsentesten ist im Land auf jeden Fall das Kreol, das wirklich verdammt witzig klingen kann, wenn es nicht aus dem Mund eines knapp zwei Meter großen schwarzen Hünen mit Dreadlocks, sondern einer ca. 1.50 kleinen, schmächtigen Chinesin kommt, einer weiteren relevanten Minderheit im Land.

Hinter jeder Ecke ein weißer Sandstrand.

Hinter jeder Ecke ein weißer Sandstrand.

Aber auch andere Anzeichen weisen darauf hin, dass man beim Grenzübertritt Mittelamerika verlassen hat und in der Karibik angekommen ist. Wo vorher ausschließlich aus Stein gebaute Häuser die Straßen säumten, sieht man nun auch viele Gebäude aus Holz. Einige davon, vor allem in Belize City, sind schon halb verottet. Dennoch wohnen noch Menschen in Ihnen – Belize ist in der Breite alles andere als ein reiches Land, auch im Vergleich mit seinen mittelamerikanischen Nachbarn. Wo vorher Salsa und Norteno aus Lautsprechern wummerte, hört man nun den ganzen Tag lang Reggae. Nur eine kurze nachmittagliche Periode aus Dancehall und Punta-Arschgewackel durchbricht den Reggaeflow, in dem einen die Menschen schonmal anschreien, man möge doch bitte etwas langsamer sein. Wo vorher Mezcal und Tequila ausgeschenkt wurden, werden die Kneipen nun vom Rum dominiert, der dank des vielen Zuckerrohrs im Land nicht nur verdammt lecker, sondern auch lachhaft günstig ist. Wo vorher Tacobuden und Hamburguesa-Straßenstände das Bild bestimmten, wird nun ausschließlich Fisch, Hummer, Hühnchen, Schweinerippchen und die allgegenwärtigen in Kokonussmilch gekochten Reis und Bohnen gegessen. Klingt lecker, oder? Ist es auch, zumindest bis zu dem Punkt, an dem man bemerkt, dass mit ausschließlich auch wirklich ausschließlich gemeint ist. Es gibt einfach nichts anderes. Obst? Sucht man meist vergeblich. Gemüse? Schlichtweg nicht vorhanden. Die Gemüsebeilage zu einem klassischen Rice & Beans mit Hühnchen – meistens ein kleiner Klecks Kartoffel- oder Nudelsalat. Jawohl, Nudelsalat als Gemüsebeilage. Vergesst Hummer, es braucht nur eine Woche und eine einzelne Avocado kommt einem vor wie ein kleines Stück vom Paradies.

Gegrillter Hummer. Dazu Reis, Bohnen und Nudelsalat.

Gegrillter Hummer. Dazu Reis, Bohnen und Nudelsalat.

Auf auffälligsten wird das karibische Flair jedoch von der Karibik selbst verbreitet. Weiße, palmengesäumte Sandstrände. Knalltürkises, badewannenwarmes Wasser. Mannsgroße Meeresschildkröten, Haischwärme und lebende Korallenriffe. Die vorgelagerten Inseln und Inselchen von Belize sind ein Traum aus einem karibischen Tourismuswerbeprospekt. Die größte und am besten erschlossene dieser Inseln ist Caye Caulker, das nicht ohne Grund Teil des „Gringo Trails“ ist, eines inoffiziellen Pfades, der einige Sehenswürdigkeiten in Mittel- und Südamerika zusammen bindet und auf dem wir somit unbeabsichtigt auch teilweise entlang geritten sind. Wie bei eigentlich allen Orten, die auf diesem Gringo Trail liegen, verfügt Caye Caulker über eine ausgesprochen gute Backpackerinfrastruktur, bessere sanitäre Anlagen und eine deutlich höhere Hippiequote als der Rest des Landes. Ehrlich gesagt, solange jemand nicht nur ausschließliche solche Hippiehochburgen besucht und dann auch noch ausschließlich innerhalb der vier Wände seines Hostels in seiner Sonne und Mond-Eso-Community bleibt, ist mir ein solcher Ort allemal lieber als das breitbeinig proletende Cancun oder all die anderen vermeintlichen Partyhochburgen. Und eine Dormschlafpflicht wurde zum Glück ja auch noch nicht eingeführt.

Das Hochland im Norden und Westen von Mexico City

Guanajuato von oben

Im Vergleich zu manch anderen Ländern hat Mexiko zwar eine überaus vielfältige Natur, die mit fast allen Klimazonen aufwarten kann, die es auf diesem Planeten zu finden gibt, allerdings sind ihre Schönheiten oft sehr schwer zugänglich oder nur mit einem Führer zu erreichen, der im Budget von zwei Overlandern eben nur selten drin ist. Dafür gibt es im Hochland im Norden und Westen von Mexiko City eine Vielzahl von kolonialen Städten zu sehen, die hierfür mehr als nur entschädigen. Kultur statt Natur – für den zurück liegenden Teil unser Reise und mit diesem Beitrag gibt es einen kurzen Überblick über all die Orte, die wir entlang unserer Route ins Herz Mexikos besucht haben.

Guadalajara:
Die zweitgrößte Stadt Mexikos und Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco ist wahrscheinlich nicht ganz oben auf der Liste von Touristen, die sich das koloniale Erbe Neuspaniens ansehen wollen. Dafür gibt es einfach anderswo noch spektakulärere Altstädte, Kirchen, Fassaden, Gassen und all das. Dafür ist Guadalajara eine ausgesprochen junge Stadt mit unzähligen netten Cafés und Kneipen, bei denen man seine eigenen vier Wände eigentlich nur zum Schlafen aufsuchen möchte. Wäre ich nochmal zwanzig und wöllte ein Auslandssemester oder ein Auslandsjahr in einem spanischsprachigen Land machen – Guadalajara wäre dafür definitiv eine erste Adresse. Auch nett: Bei einem Tagesausflug erreicht man mühelos das Örtchen Tequila und kann sich ein paar Brennereien angucken, oder die Laguna Santa Maria del Oro, ein netter kleiner See in einem mittlerweile bewaldeten Vulkankrater.

Dia de las Muertos in Guadalajara

Dia de las Muertos in Guadalajara

Blick auf die Laguna Santa Maria del Oro

Blick auf die Laguna Santa Maria del Oro

Colima:
In vielerlei Hinsicht ist Colima, die Hauptstadt des gleichnamigen Zergbundesstaates, wie Guadalajara: Nicht ganz so hübsch wie andere Städte, dafür voller netter Cafés und junger Menschen. Außerdem gibt es gleich zwei Vulkane in der Nähe, von denen wir einen, den Nevado de Colima, vom Nahe gelegenen Ciudad Guzman erfolglos versucht haben zu besteigen. Keine Chance, nahe genug heran zu fahren, wenn man die Pisten dorthin und unsere Rosinante miteinander kombiniert. Wie war das nochmal mit der Natur und den Tourguides? Naja, auf jeden Fall ist vor kurzem der zweite Vulkangipfel, der Volcan de Colima, mal wieder ausgebrochen.

Uruapan:
Uruapan wäre wahrscheinlich kein wirkliches Reiseziel für die meisten Menschen, die es in das westliche Hochland Mexikos verschlägt, und auch wir wären wahrscheinlich an dieser Stadt vorbei gefahren, wenn es nicht diese eine Sache gibt, die Uruapan dann doch für einen Zwischenstop wertvoll macht. Mitten in der Stadt stößt nämlich ein unterirdischer Fluß plötzlich an die Oberfläche und wurde in eine tropische Flusslandschaft eingebettet, die einen staunen lässt. So ist der Barranca del Cupatitzio der am zweitöftesten besuchte Nationalpark Mexikos. Klar, liegt ja mitten in der Stadt. Kurz hinter Uruapan fällt der Fluss dann in einem tosenden Wasserfall in die Tiefe und natürlich kann man dort auch mit dem Pferd hinreiten, für ein paar Pesos extra, versteht sich. Zu Fuss geht es aber auch.

Nationalpark Barranca del Cupatitzio

Nationalpark Barranca del Cupatitzio

Pátzcuaro:
An dieser Stelle muss zum ersten mal erwähnt werden, dass es eine Sache gibt, die all die pueblo magicos in den verschiedenen Ecken Mexikos nachts zu wirklich wunderbaren Flecken macht: Es gibt keine Leuchtreklame. Selbst große Ketten wie der nationale Spätibetreiber Oxxo halten sich daran und pinseln ihren Namen in Rot über die Türen der wundervoll einheitlich in Weiß und Rot gekalkten Häusern. Besucht man eine solche neonfreie Altstadt einmal, dann wird schnell klar, warum noch öfter nicht nur von Luft-, sondern auch von Lichtverschutzung geredet werden sollte. Patzcuaro war durch diese Maßnahme für mich eine der schönsten Städte Mexikos bislang, wenn nicht sogar die schönste Stadt. Eine unfassbar bezaubernde, sehr frühe Kolonialarchitektur, die durch ihre frühe Gründung im Jahr 1540 und seinen frühen Reichtum begründet ist und so wohl in kaum einer anderen mexikanischen Stadt zu sehen ist. Dazu überall alte Straßenlaternen, die die Fassaden in der Nacht in ein wunderbar warmes Licht tauchen. Kein Wunder, dass Pátzcuaro am Wochenende oft von Besuchern aus anderen Städten überrannt wird.

Ruhiges Eck in Patzcuaro, die Bilder Nachts sind leider nix geworden

Ruhiges Eck in Patzcuaro, die Bilder Nachts sind leider nix geworden

 

Morelia:
Morelia ist die Haupstadt des Bundesstaates Michoacán, dem auch die Städte Uruapan und Patzcuaro angehören und der oftmals genannt wird, wenn mexikanische Regionen gesucht werden, die im War on Drugs am meisten gelitten haben. Dennoch haben wir hier, wie auch in den beiden anderen genannten Städten, keinerlei Auswirkungen des Drogenkriegs bemerken können. Morelia selbst ist kein pueblo, kein Dorf mehr, dementsprechend lässt sich die Stadt auch nicht mit einem Örtchen wie Pátzcuaro vergleichen. Hier ist nichts weißgekalkt und die Häuser sind etwas jünger, meist aus dem 19. Jahrhundert. Dennoch reiht sich Steingebäude an Steingebäude und mitten in der Stadt kann man neben einer riesigen und beeindruckenden Basilika auch ein Äquadukt beobachten. Darüber hinaus gibt es einige sehr angenehme Bars und verdammt leckere Kokosbollen, wie auch andere gute Süßspeisen, im örtlichen museo del dulce zu erwerben. Morelia ist definitiv zurecht berühmt für seine dulce.

So ungefähr sieht Morelia aus

So ungefähr sieht Morelia aus

Das Museo del Dulce hat auch einen angeschlossenen Laden. Der ist die eigentliche Hauptattraktion.

Das Museo del Dulce hat auch einen angeschlossenen Laden. Der ist die eigentliche Hauptattraktion.

Guanajuato:
Es ist wahrscheinlich nicht gelogen, wenn ich hier schreibe, dass Guanajuato die berühmteste und meistbesuchte aller mexikanischen Städte außerhalb von Mexiko City ist. Ist aber auch ein pitoresqueskes Ding. Wie so viele alte Silberstädte hat Guanajuato eine Zeit lang einfach einen Haufen Menschen beherbergt, dem das Geld nur so aus den Ohren gequolen ist. Und in Guanajuato war eine der größten und ergiebigsten Silberminen. Dementsprechend wurde Guanajuato auch zu einer wirklich verdammt prächtigen Stadt. Heute liegt sie wie all die Jahre schon in einem wahnsinnig engen Tal und wirklich niemand sollte auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden, mit dem Auto hinzufahren. Man wird im Verkehr stecken bleiben und bei der Suche nach einem Parkplatz verrückt werden. Ihr meint ihr kennt das aus jeder x-beliebigen Stadt? Dachte ich auch, aber das hier ist echt nochmal ein anderes Kaliber. Dafür lässt sich die gesamte Stadt eigentlich in einem Tag ablaufen. Es gibt einige Plätzchen, einen netten Aussichtspunkt, eine Kathedrale – so weit so gut, kennt man von vielen Städtchen in Mexikos Hochland. Das eigentliche Highlight aber ist die Stadt selbst und all ihre Häuschen, die sind nämlich fast ausnahmslos alle in unterschiedlichen Farben bemalt. All das Grün, Gelb, Rot, Orange, Blau und all deren verschiedene Schattierungen ergeben ein fantastisches Gesamtkunstwerk, dass vor allem von den höheren Aussichtspunkten großartig aussieht. Außerdem gibt es noch ein absurdes Unigebäude, von dem irgendjemand einmal schrieb, dass es irgendwo zwischen Märchenschloss und Hogwarts liegt. Erbaut wurde es jedoch in den 1950ern, ging also doch auch anders als Waschbeton. Wo eine Uni, da viele Studenten, und das in einer relativ kleinen, hügeligen und pitoresken Altstadt – der Vergleich mit Tübingen ist da gar nicht so abwegig. Außer, dass ich noch nicht gehört habe, dass es in Tübingen die Tradition des callejon gibt: Irgendwo an einem Platz treffen sich Musiker in Trachten, es werden Getränke verkauft und dann ziehen sie mit einer Armada von trinkenden Menschen im Schlepptau durch die Straße. Salud!

Guanajuato von oben

Guanajuato von oben

Farbige Häuser, überall

Farbige Häuser, überall

Aguascalientes:
Aguascalientes ist wieder mal eine Hauptstadt eines mexikanischen Zwergbundesstaates. Diesen Zwergbundesstaaten scheint es aus irgendwelchen Gründen allesamt recht gut zu gehen, zumindest Colima und auch Aguascalientes sind auf jeden Fall recht wohlhabend, wenn man den gängigen Statistiken vertraut. Während hingegen Colima recht hübsch ist, ist Aguascalientes so ziemlich das genaue Gegenteil. Grau, Unmengen von Ketten wie McDonalds an den Einfahrtsstraßen, statt der üblichen Taco- und Birria-Stände in den anderen Städten, keine vorhandene Altstadt. Wir fuhren hin, um uns das Museo National de la Muerte anzuschauen, aber leider war auch das relativ mau. Wenn es eine Stadt in diesem Teil Mexikos gibt, die ihr guten Gewissens verpassen könnt, Aguascalientes ist eure Wahl.

Zacatecas:
Was die Pracht und die Farbigkeit angeht, kann Zacatecas vielleicht nicht ganz mit Guanajuato mithalten. Dennoch ist die Stadt definitiv ein hübscher Flecken Erde. An den Hängen von Zacatecas hat während der mexikanischen Revolution die legendäre Division del Norte unter Führung von Pancho Villa anscheinend einen großen Sieg davongetragen, daher gibt es auf dem Hausberg oberhalb von Zacatecas auch ein großes Denkmal zu Ehren der Helden. Außerdem dort vorhanden: Eine Seilbahn, ein grandioser Ausblick und ein Schrein zu Ehren des Schutzheiligen der Bergleute. Natürlich ist Zacatecas auch wieder eine Silberstadt und hier kann man sogar eine alte Mine im Rahmen einer Führung besichtigen. Wer sich für Mineralien und halb-anzügliche, halb-keusche Witze von Tourguides interessiert, dem wird die Führung gefallen, alle anderen setzen sich lieber an einen der vielen Plätze, trinken ein Nachmittagsbier mehr und erfreuen sich am Anblick von einem wirklich beeindruckenden Haufen alter, in Kolonialarchitektur gegossener Steine. Und hat vielleicht Glück, dass sich die Zacatekatz einem vor die Füße wirft und gekrault werden will.

Unterhalb von Zacatecas: Silber

Unterhalb von Zacatecas: Silber

Hostel mit Aussicht

Hostel mit Aussicht

Die Zacatekatz

Die Zacatekatz

Real de Catorce:
Kleinod, Hidden Gem – Ausdrücke, von denen keiner auch nur ansatzweise an Real de Catorce heranreicht. Früher, im 18. Jahrhundert, haben hier 30.000 Menschen in Steinhäusern gewohnt und habe, natürlich, Silber abgebaut. Später dann wurde die Mine geschlossen und es gab für so viele Menschen schlichtweg keinen Grund mehr, in dieser einsamen Gegend zu leben. Daher stehen in Real de Catorce heute Unmengen Gebäude leer und verfallen vor sich hin. Nur der ein oder andere Esel wird noch in den Ruinen geparkt und wartet auf einen Ausritt. Hier ist der Fluss der Zeit ganz langsam, schwer, in der Hitze des Tages fast so klebrig wie der Schweiß, der einem wie Sirup von der Stirn fliesst. Schon die Anfahrt nach Real de Catorce stimmt einen darauf ein: Nach einer unendlichen Weile durchs Nichts des Bundesstaates San Luis Potosi sind noch einmal 25 km Kopfsteinpflaster zu bewältigen, bevor man an einem gut 100 Jahre alten, nassen und einspurigen Tunnel angelangt. Passiert man diesen, ist man im Tal von Real de Catorce und die Welt, sie könnte kaum weiter entfernt liegen. Oberhalb der Stadt, am Pass, den unzählige Pferde und Esel vor dem Bau des Tunnels überquert haben müssen, liegt dann eine Geisterstadt, ein pueblo fantasma, die zeigt, wie es auch Real de Catorce ergehen hätte können, wenn es in den letzten Jahren nicht von dem ein oder anderen Traveler entdeckt worden wäre. Dutzende von verfallenen Häusern, eine Kirche samt Marktplatz, eine alte Hahnenkampfarena, alles verfallen und von riesigen Nopal-Kakteen und einigen Bäumen, die aus den alten Brunnen herauswachsen, überwuchert. Mehr Geisterstadt geht nicht. Und wenn man von der kleinen Wanderung wieder unten im Tal angekommen ist, wartet die Dorfgemeinschaft vielleicht schon wieder auf den Beginn des nächsten Rodeos.

Das Tal am Ende der Welt

Das Tal am Ende der Welt

Pueblo Fantasma

Pueblo Fantasma

Volkssport Rodeo

Volkssport Rodeo

San Luis Potosi:
Schon wieder eine Stadt, die genauso heißt wie ihr dazugehöriger Bundesstaat. Bei all den vielen Städten, die wir auf unserer Reise durch das westliche und nördliche Hochland zurückgelegt haben, es muss ja eine geben, an die ich mich nicht so gut erinnere. Wobei, vielleicht liegt das auch am Pulque, den wir dort mit Freude in uns hinein gegossen haben. Ein teuflisches Zeug, dieser Pulque. Grundsätzlich ist das ganze ein Moschd, nicht aus Äpfeln oder Birnen, sondern aus dem, was halt in Mexiko wächst: Der Agave. Lässt man sich seinen Krug in der Pulqueria seines Vertrauens füllen, hat man folglich keine Ahnung, wie stark das leicht säuerliche, leicht nussige Gebräu ist, das man da trinkt. So haben zwei Krüge Pulque für einen herausragenden Kater mehr als nur ausgereicht. Ansonsten ist San Luis Potosi meiner Erinnerung nach mit ein paar netten Kirchen bebaut, die wir aber allesamt links liegen gelassen haben. Keine Ahnung wie es euch geht, aber mit ein paar wenigen Ausnahmen geht es mir ja so: Kennste eine Kirche, dann kennste alle.

San Luis Potosi

San Luis Potosi

San Miguel de Allende:
Unsere letzte Etappe auf unserem Weg nach Mexiko City war die Expat-Hochburg San Miguel de Allende. Habe ich etwas über Kirchen geschrieben? Die am Hauptplatz in San Miguel de Allende ist auf jeden Fall sehr sehr hübsch, zumindest von Außen. Zudem liegt sie an einem der schönsten Jardins, dieser Mischung aus Garten, Park und Platz, die häufiger in den mexikanischen Innenstädten zu finden sind, die ich bislang gesehen habe. Die gesamte Altstadt ist hier hübsch restauriert und man merkt an jeder Ecke das Geld, das von Außen in den Ort herein getragen wird. So überrascht es auch nicht, das man in San Miguel de Allende französische Bäckereien, Bagelläden, Bio-Kooperativen mit Humussandwiches und eine beachtliche Anzahl amerikanischer Steakrestaurants findet. Dafür gibt es keine Tacostände, sondern ausschließlich Stände, die einem Obst oder Eis anbieten. Und hier ist das Problem: Ich mag ja gerne ein gutes französisches Baguette und ein Eclaire, aber auf meinen Taco mit Chorizo und Quesillo verzichte ich in Mexiko dann auch eher ungern.

Jardin Allende samt Kirche

Jardin Allende samt Kirche

 

 

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Ein von Eva Horn (@habichthorn) gepostetes Foto am