México City

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México City – was war ich gespannt. Eine der größten Städte der Welt, Hauptstadt des Smogs, reichste Stadt in ganz Mittelamerika – México City vereint viele Superlative auf sich. Wir hatten ungeplant sehr viel Zeit, die Stadt kennenzulernen. Unser Auto Rosinante musste nach mehr als 35.000 gefahrenen Kilometern ein paar Reparaturen über sich ergehen lassen und diese zogen sich über 2,5 Wochen hin, in denen wir in der Stadt festsaßen. (Nach übereinstimmender Meinung der Mexikaner haben wir damit außerordentliches Glück gehabt und einen wahnsinnig schnellen Mechaniker erwischt, aber das ist eine andere Geschichte…)

México City ist tatsächlich voller Gegensätze, schäbige Tacostände stehen hier direkt neben edlen Boutiquen, Aztekenruinen neben modernen Hotels. Es gibt Bretterbuden genauso wie Businesshochhäuser, eine respektable Anzahl von Parks, Grünflächen und begrünten Straßen kämpft redlich aber erfolglos gegen den Smog. Leider hat irgendein blödes A*schloch mir in der Stadt mein Handy geklaut, darunter hat mein Eindruck etwas gelitten.

Die Stadt hat mich sehr an Madrid erinnert. In México City ist das koloniale Erbe der Spanier sehr sichtbar, sichtbarer als in anderen Landesteilen. Ein Großteil der Bevölkerung ist weißhäutig, es gibt überall Churros und Jamón Serrano und gefühlt kaufen 80% der Bewohner*innen ihre Bekleidung beim spanischen Modehaus „ZARA“. Auch sonst ist die Stadt in vielen Belangen sehr europäisch geprägt. Das hat Vor- und Nachteile. So gab es das erste Mal seit gefühlten Ewigkeiten wieder richtig gutes Brot und vernünftigen Gin Tonic. Die Preise sind allerdings entsprechend hoch, das Verkehrsaufkommen in México-City genau so schlimm, wie man es sich vorstellt. Die Stadt ist besonders nachmittags ein einziger Stau, wer mit dem Auto oder dem Bus unterwegs ist, hat viel Spaß. Auch die Metro ist zu Stoßzeiten rappelvoll – wer sich dafür interessiert, kann ja bei Youtube mal nach „Metro Mexico City“ suchen, da bekommt man einen guten Einblick.

Ansonsten ist México City in erster Linie riesig und voll. Man braucht ewig, um von einem Stadtteil in den anderen zu kommen, wie in jeder anderen Großstadt auch. Die Stadt beherbergt ein paar wirklich großartige Museen, wie das Frida Kahlo Museum oder das Anthropologiemuseum. Während ersteres in erster Linie Geburtshaus der berühmten Künstlerin ist, besticht letzteres durch eine unfassbare Menge an alten Steinen. Hier wird die gesamte Geschichte des Prähispanischen México erzählt, von den Teuteken über die Azteken zu den Mayas. Viele, bei Ausgrabungen gefundenen Stücke sind hier ausgestellt. Das Museum ist so umfangreich, dass man unter Umständen mehr als einen Tag dafür einplanen muss. Passenderweise ist das Museum im Bosque de Chapultepec angesiedelt, dem größten innerstädtischen Park von ganz México. Hier locken zahlreiche niedliche und freche Eichhörnchen, EICHHÖRNCHEN!

Eichhorn

Auch Coyoacan, der Stadtteil, in dem das Geburtshaus von Frida Kahlo liegt, taugt für einen Besuch. Hier gibt es viele alte Kaffeeröstereien und einen lebhaften Hauptplatz. Ob das Museum selbst einen Besuch wert ist, weiß ich nicht. Der Eintrittspreis ist verhältnismäßig hoch. Unbedingt einen Besuch wert sind allerdings das Museo de Bellas Artes, vorallem wegen der Wandgemälde. Direkt daneben befindet sich der Palacio de Correos, das alte, prachtvolle Postgebäude. Auch den Regierungspalast fand ich eindrucksvoll, das Gelände selbst ist riesig und auch hier gibt es einige Wandgemälde zu besichtigen. Ansonsten ist die Innenstadt vorallem voller Menschen und sehr sehr laut. Wer einkaufen will, sollte es lieber in einem der zahlreichen Shoppingcenter versuchen, im Stadtzentrum gibt es nur Ramschläden.

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Dank zahlreicher Erdbeben und dank des Untergrunds, auf dem die Stadt gebaut wurde, sind viele der älteren Gebäude schief und krum und man wundert sich, warum sie überhaupt noch stehen. Überhaupt, alte Gebäude: Die beiden schönsten Stadtteile México Citys sind für mich Roma Norte und die Colonia Condesa, beide südlich des Stadtzentrums gelegen. Hier gibt es breite begrünte Straßen und hübsche Wohnhäuser aus der Jahrhundertwende, einige mit schönen Jugendstilfassaden. Condesa ist der gediegenere Stadtteil von beiden, hier gibt es schicke Restaurants. In Roma Norte gibt es mehr Bars und Mexikaner behaupten, dort gebe es Hipster. Grundsätzlich ist México-City eine sehr vornehme Stadt. Die meisten Restaurants und Bars sind herausgeputzt schick. Man trägt seinen Reichtum sehr offensichtlich zur Schau, was zuweilen etwas seltsam anmutet. Schrammelige Indiebars sucht man hier mehr oder weniger vergebens, was ich persönlich schade finde. Den Wohlstand der Stadt merkt man in den innenstadtnahen Wohngebieten buchstäblich an jeder Straßenecke.

Eine Sache, die so ziemlich jeder Tourist in Mexico City macht: Zum Wrestling gehen. Der Traumsport meiner frühen Teeniejahre ist hier als „Lucha Libre“ immer noch sehr populär. Aber irgendwie haben uns die Kämpfe nicht so gefesselt. Es lag vielleicht am Abend, aber Stimmung wollte nicht so recht aufkommen. Man merkt, so richtig vom Hocker gerissen hat mich Mexiko City nicht, trotz beeindruckender Museen, angenehmem Klima, guter Getränke und der Tatsache, dass ich endlich mal wieder regelmäßig joggen gehen konnte. Ob es jetzt daran lag, dass meine Laune dank der Reparatur von Rosinante und dem Verlust meines Handys nicht die beste war, oder an der Abwesenheit einer alternativen Szene, kann ich nicht so genau sagen.

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Ein von Eva Horn (@habichthorn) gepostetes Foto am

Kurz, México City ist eine Oase für den geneigten Weltreisenden, wenn er/sie endlich mal wieder ordentliches Brot essen möchte bzw. einen Urlaub vom restlichen Mexiko braucht oder die wichtigsten Museen des Landes sehen will, aber länger als ein paar Tage muss man sich hier nicht aufhalten.

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