Was ich an Stuttgart vermissen werde

Es wird ernst. Der letzte Arbeitstag ist vorbei, bei der Abschiedsfeier wurden die angesammelten Gin-Vorräte erfolgreich vernichtet. Ein letzter Besuch in Bremen stand an und meine Schwester hat sich erfolgreich verheiratet. Die allermeisten Bücher, Platten, Möbel und das restliche Gedöns sind trocken und sicher eingelagert. Zeit an all das zu denken, was mit an meiner Heimatstadt mit Sicherheit fehlen wird.

  • Die Selbstverständlicheit im Zusammenwachsen unterschiedlicher Kulturen. In Stuttgart haben 38% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Der zweithöchste Wert in Deutschland. Das Schöne aber ist: Durch die lange Tradition als Industriestandort und die Ankunft und das Hierbleiben vieler Gastarbeiter ist das schnurzpiepegal. Natürlich gibt es auch in Stuttgart (und vor allem in ein paar Orten in der Region) Idioten und Alltagsrassismen, wie leider an so vielen Orten. Mir kommt es aber trotzdem vor, als sei dies hier viel weniger der Fall als anderso – weswegen in Stuttgart schon 8000 Menschen gegen Pegida demonstriert haben, als die noch nicht einmal eine einzige Kundgebund hier abhielten.
  • Linsen und Spätzle.IMG_20150525_200408
  • Das Lehen und auch die Imme. Eckkneipen im besten Sinne des Wortes. Das Lehen als Institution im Viertel, das so heißt wie es selbst. Die Imme auf dem besten Weg zum selben Status. Beides verlängerte Wohnzimmer, beide mit Herz für den Bierdurst um zehn Uhr Abends.
  • Meine Arbeit und meine Kollegen. Ich hatte das Glück, dass ich in meinem Studium für jeweils drei Monate in fünf verschiedenen Gebieten der Sozialen Arbeit mit fünf verschiedenen Zielgruppen und in fünf verschiedenen Teams arbeiten durfte. Und zum Schluss dort bleiben konnte, wo es mir am Besten gefallen hat.
  • Deutsches Brot und Deutsches Bier. Ich wüsste nicht, was ich zuerst für die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorschlagen würde. Wobei, eigentlich doch. Passables Bier habe ich auch schon in anderen Ländern getrunken, aber so ein Kürbiskernbrötchen? Oder ein Sauerteigbrot? Gut, dass zumindest letzteres als Sourdough Bread bei den globalen Foodstern derzeit so angesagt ist.

Eine unvollständige Liste, es gibt noch soviel mehr zu vermissen: Der Kessel. Die Aussicht. Die Weinberge und die Besenwirtschaften. Zwiebelkuchen, Sauerbraten, Maultaschen, Laugenbrötchen (und noch so viel mehr kulinarisches). Der Schloßgarten und die Bärenseen. Das Schwäbische und seine Schimpfwörter: Saubeudel, Grasdaggl und Lombaseggl. Die Bundesliga und meinen VFB, der irgendwann sicher wieder um einen einstelligen Tabellenplatz spielen wird. Viele liebgewonnene Freunde und der Großteil meiner Familie. Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als in Zukunft noch das ein oder andere mal in Stuttgart vorbei zu schauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *