Erste Schritte in Mexiko / Die Baja California

Camping mit Meerblick

Kinder, wie die Zeit vergeht. Schon seit einem Monat turnen wir nun durch Mexiko und haben dabei einmal die gesamte Baja California von Nord nach Süd durchquert. Zeit für ein paar Zeilen über die ersten Eindrücke von Mexiko im Allgemeinen und der Baja California im Besonderen.

Es liegt in der Natur eines Roadtrips, dass man viel Zeit auf den Straßen und im Verkehr eines jeweiligen Landes verbringt und die allgemeine Verkehrsmoral (was für ein Wort!) der Menschen in diesem Land sehr gut kennen lernt. Mexiko ist in diesem Punkt… atemberaubend! Fantastisch! Großartig! Selbst die legendäre (und wirklich vorhandene) kanadische Freundlichkeit muss auf der Straße gegenüber der mexikanische Freundlichkeit zurückstecken. LKW-Fahrer zeigen einem bei kurvigen Strecken mit dem Blinker an, ob man gefahrlos überholen kann. In Städten gibt es oftmals keine Ampeln und kein „Rechts vor Links“, sondern auf jeder Seite ein Stopschild und reihum darf von jeder Seite ein Auto rüber fahren. Das funktioniert dann selbst bei dreispurigen Straßen reibungslos, weil jeder auf den anderen aufpasst. Es wird kaum gehupt, alles fliesst irgendwie chaotisch vor sich hin und der gesamte Straßenverkehr ist am ehesten als riesige shared space-Zone zu begreifen – und es funktioniert. Da können sich einige vordergründig besser organisierte Länder echt ne Scheibe abschneiden.

Ein ständiger Begleiter auf den Straßen Mexikos ist dabei die Armee. Die ständigen Sturmgewehre sind ein Anblick, an den man sich erstmal gewöhnen muss. Zur mexikanischen Armee muss jedoch eine Sache gesagt werden: Sie ist echt in Ordnung! Normalerweise bin ich ja kein Fan von Armeen, aber diese hier fährt eben Streife, wie sonst die Polizei, und hat Kontrollpunkte, an denen sie dein Auto kontrolliert, so wie sonst die Polizei. Und das Beste: Sie tut all dies ohne willkürliche Rechnungen zu stellen, so wie sonst die Polizei. Vor allem die policia municipal, die Dorfpolizei, kann einem in diesem Zusammenhang schwer aufstoßen. Ernsthaft, da ist mir das Militär lieber.Wüste, überall Wüste

Außerdem überall anzutreffen auf Mexikos Straßen: Hunde. So wie in Istanbul und auf Sizilien eine unfassbare Anzahl von Katzen herumstreunt, so sind auf der Baja California Straßenhunde allgegenwärtig. Einige haben eine Existenz als Wachhund gefunden und blaffen alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, andere irren mit eingezogenen Schwanz über die Straßen und durch die Dörfer und wurden dabei schon bestimmt 50 mal fast überfahren. Wer hier Straßenhunde retten und in andere Länder importieren will – viel Glück!

Wo in den USA in der Gastronomie viel zu viele Kellner für viel zu wenig Arbeit herumrennen und verzweifelt versuchen, eine Beschäftigung zu simulieren, so stehen in Mexiko in der Gastronomie viel zu viele Menschen für viel zu wenig Arbeit einfach rum. Ist ja auch schließlich nix zu tun. Was das Arbeitsleben angeht, scheint das Mexiko ziemlich gut zu beschreiben – es ist eben so viel Arbeit da, wie da ist, und die wird dann durch alle Bewohner eines Ortes geteilt. Vielleicht hat man dadurch am Ende des Monats nicht soo viel Pesos in den Taschen, dafür muss man nur an einem Tag in der Woche im Eisladen schaffen und alle im Dorf haben ein Auskommen, das sie über die Runden bringt. So ungefähr habe ich mir den realen Sozialismus vorgestellt und genau das ist in vielen Ecken der Baja California genau so zu beobachten gewesen – Baustellen, bei denen 5 Personen zuschauen, während eine Person arbeitet inklusive. Das Ganze gipfelt dann in der staatlichen Erdölgesellschaft Pemex, die ein unfassbares Tankstellennetz betreibt, bei denen auf eine Zapfsäule mindestens ein angestellter Tankwart kommt. Eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Auf der einen Seite Ok, haben viele Leute einen Job. Auf der anderen Seite habe ich gelesen, dass Pemex Geld für den Bau neuer Raffinerien fehlt und Mexiko unter Strich trotz seines Ölreichtums Öl importieren muss. Von Investitionen in E-Zapfsäulen mal ganz zu schweigen. So herum betrachtet irgendwie auch wieder Schwachsinn.


Mittlerweile sind wir ja wieder in Gefielden angekommen, in denen die Landschaft in einem fantastischen Grün erstrahlt. Gott, wie gut das tut! Immer nur Wüste sehen schlägt tatsächlich aufs Gemüt, zumindest dem gemäßigte Breitengradkind in mir. Und Wüste gibt es verdammt viel auf der Baja California. Eigentlich gibt es sogar fast ausschließlich Wüste auf der Baja, wenn man mal von einigen wenigen palmengesäumten Oasen absieht. Wie anders sich da doch die Welt unter der Meeresoberfläche darstellt. Tropische Fische, riesige Walhaie, Delfinfamilien und sanft dahingleitende Mantarochen. Alles gesehen. Wer auf Tauchen oder Schnorcheln steht, der sollte wirklich einmal im Leben auf die Baja California fahren.

Viel wäre noch zu beschreiben:Von halb fertig gebauten Häuser, die hier in Unmengen rumstehen, von einwandfreien rohen Meeresfrüchten und Montezuma, dessen Rache einen auch auf anderen Wegen ereilen kann, vom deutlich zu beobachtenden Stadt-Land-Gefälle, dass sich in Arm und Reich, dunklerer und hellerer Haut und noch ein paar anderen Dingen beobachten lässt. Aber davon wird vielleicht noch an anderer Stelle berichtet, Mexiko wird uns schließlich noch eine Weile begleiten.

Oregon

Strand am Cape Blanco

Was sagt es eigentlich über ein Land aus, wenn es sich nicht nur ein Nationalsäugetier (Biber), einen Nationalbaum (Douglas-Tanne), ein Nationalkrustentier (dungeness crab) und ein Nationalgetränk (Milch) erwählt, sondern auch eine Nationalmikrobe? Es bedeutet einiges – wenn denn diese Nationalmikrobe ausgerechnet die Brauhefe ist.

  • Strand am Cape Blanco
Nun bin ich ja was Bier angeht eher ein Purist – gebt mir ein Augustiner und ich bin glücklich – dennoch muss ich nach einem Besuch in Oregon sagen, dass auch die Menschen hier leckeres Bier brauen. Auch wenn es nicht immer das hält, was es verspricht: Das „Hefeweizen“ schmeckt zwar lecker, aber nicht nach Hefe und das „Kölsch“ nicht so schnell abgestanden wie das original Kölner Kölsch. Anders ist eben oft auch besser. In Portland jedenfalls werden die amerikanischen Varianten derselben ebenso oft ausgeschenkt wie IPA, Summer Ale oder auch „Radler“, gerne auch mal mit einem Snack auf „Sauerteig“-Brot. So viele deutsche Worte wie zur Zeit haben sich wohl selten zuvor in die englische Sprache eingenistet – und besser als „Weltschmerz“ oder „Blitzkrieg“ sind sie allemal.

Aber weg von der Sprache und zurück zu Oregon. Nur auf Craft Bier sollte man diesen Staat nämlich auf keinen Fall reduzieren, auch wenn die Oregonesen (?) so stolz auf ihr zweites Nationalgetränk sind, dass sie den Genuss desselben sogar in Parks, Stränden und Biergärten zulassen, in denen auch gleichzeitig geraucht werden darf. Für die Zustände, die ich bislang in den USA erlebt habe, muss diese liberale Geisteshaltung eigentlich fast schon der Vorhort der Hölle sein. Und dann dürfen die Oregoner (??) auch noch legal kiffen – wenn das nicht der Satan persönlich angeordnet hat…

Egal, denn die landschaftliche Vielfalt in Oregon könnte man dafür im Gegenzug geradezu als himmlisch bezeichnen. Es gibt den übriggebliebenen Krater eines Supervulkans, der nun ein 500m tiefer See mit absurd blauem Wasser ist, eine Insel im ultratiefen, aber nicht soo großen See inklusive. Es gibt ausgedorrte Steppen und lichte Tannenwälder im Inland und eine 400 Meilen lange und geradezu aberwitzig schöne Küste. Man findet putzige kleine Städtchen wie Astoria und eine angenehm unamerikanische Großstadt mit Portland, die nicht aus einem abgestorbenen Wolkenkratzerwüsten-Downtown samt Suburbs besteht und zu Fuß und mit einem wirklich guten öffentlichen Nahverkehrssystem (sorry Seattle) besichtigt werden kann. Und es ist günstig, verglichen mit Californien und Washington zumindest.

Auch auf die Gefahr hin mich fast schon wie das Fremdenverkehrsamt der Oregoni (???) anzuhören – eine Reise durch Oregon wäre allein schon den Flug über den großen Teich wert.